Retargeting
Zuletzt aktualisiert: 9. April 2026
Definition: Was ist Retargeting?
Retargeting (deutsch auch Wiederansprache) ist eine Werbestrategie, bei der Nutzer, die bereits mit einer Marke, einem Produkt oder einer Webseite interagiert haben, erneut mit gezielten Anzeigen angesprochen werden. Das Prinzip ist einfach: Wer schon einmal Interesse gezeigt hat, konvertiert mit höherer Wahrscheinlichkeit als ein völlig neuer Kontakt.
Technisch basiert Retargeting auf der Erkennung wiederkehrender Nutzer – über Cookies, Geräte-IDs oder Plattform-Accounts (z. B. Amazon-Login). Sobald ein Nutzer als früherer Besucher identifiziert wird, kann er mit spezifischen Anzeigen auf Webseiten, in Apps, auf Social Media oder auf Marktplätzen wie Amazon erneut erreicht werden. Retargeting gehört zu den effizientesten Werbestrategien im digitalen Marketing, weil es auf einer bereits bestehenden Kaufabsicht aufbaut.
Inhaltsverzeichnis
Retargeting vs. Remarketing: Was ist der Unterschied?
Die Begriffe Retargeting und Remarketing werden im Alltag oft synonym verwendet, bezeichnen aber im engeren Sinne unterschiedliche Ansätze. Retargeting beschreibt die erneute Ansprache über bezahlte Anzeigen (Display, Video, Programmatic), während Remarketing klassischerweise die Wiederansprache per E-Mail meint – etwa eine Warenkorb-Erinnerung.
Im Amazon-Kontext verschwimmt die Grenze: Amazon nutzt den Begriff Retargeting für alle Formen der Wiederansprache über Amazon DSP und Sponsored Display. E-Mail-basiertes Remarketing ist auf Amazon nicht direkt möglich, da Seller keinen Zugang zu Kundendaten haben.
View-Retargeting: Nutzer zurückholen, die nur geschaut haben
View-Retargeting (auch Product-View-Retargeting oder Browse-Retargeting) richtet sich an Nutzer, die ein Produkt oder eine Produktdetailseite angesehen, aber nicht gekauft haben. Diese Nutzer befinden sich bereits in der Consideration-Phase: Sie kennen das Produkt, hatten aber offenbar noch nicht genug Überzeugung, um den Kauf abzuschließen.
Typische Zielgruppen für View-Retargeting
- • Nutzer, die eine Produktdetailseite besucht haben (letzte 7, 14 oder 30 Tage)
- • Nutzer, die eine Kategorie-Seite durchstöbert haben
- • Nutzer, die ein Produkt in den Warenkorb gelegt, aber nicht bestellt haben
- • Nutzer, die Suchergebnisse einer bestimmten Kategorie angesehen haben
View-Retargeting hat in der Regel die höchsten Conversion-Raten aller Retargeting-Strategien, weil die Kaufabsicht bereits vorhanden ist. Der Reminder genügt oft, um den Kauf auszulösen – insbesondere bei Produkten mit kurzen Entscheidungszyklen.
Purchase-Retargeting: Käufer erneut ansprechen
Purchase-Retargeting zielt auf Nutzer ab, die bereits gekauft haben. Die Strategie verfolgt andere Ziele als View-Retargeting: Statt eine erste Conversion auszulösen, geht es hier um Wiederkäufe, Cross-Selling oder Upselling.
Repeat Purchase
Verbrauchsprodukte (Supplements, Reinigungsmittel, Tiernahrung) eignen sich ideal für zeitgesteuertes Retargeting: Wer vor 30 Tagen eine 30-Tages-Packung gekauft hat, braucht bald Nachschub.
Cross-Selling
Wer ein Smartphone-Case gekauft hat, interessiert sich möglicherweise für eine Displayschutzfolie. Purchase-Retargeting auf ergänzende Produkte hat oft bessere Conversion-Rates als kalte Akquise.
Upselling
Kunden, die ein Einsteigermodell gekauft haben, lassen sich nach einer gewissen Nutzungsdauer gezielt für das Premium-Produkt ansprechen – insbesondere bei Elektronik, Software oder Abo-Modellen.
Wichtig bei Purchase-Retargeting: Timing und Frequency Capping sind entscheidend. Wer gerade gekauft hat und sofort wieder mit dem gleichen Produkt bespielt wird, empfindet das als störend. Die Lookback-Windows sollten daher sorgfältig auf den Produktzyklus abgestimmt sein.
Retargeting auf Amazon: DSP und Sponsored Display
Amazon bietet zwei Wege für Retargeting: Amazon DSP für programmatisches Retargeting mit voller Kontrolle, und Sponsored Display als vereinfachten Self-Service-Einstieg.
Amazon DSP Retargeting
- • Pixel-basiert: Retargeting auf Basis von Amazon-eigenen Signalen (Produktaufrufe, Käufe, Warenkorb-Aktivitäten)
- • Lookback-Windows: Frei wählbar (7, 14, 30, 60, 90 Tage)
- • Ausspielung: Auf Amazon, Twitch, IMDb, Fire TV und Millionen Drittanbieter-Seiten
- • Formate: Display-Banner, Video, Audio
- • Frequency Capping: Volle Kontrolle auf Order- und Line-Item-Ebene
Sponsored Display Retargeting
- • Self-Service: Direkt in der Advertising Console verfügbar, kein DSP-Zugang nötig
- • Zielgruppen: „Views Remarketing“ (Nutzer, die dein Produkt oder ähnliche Produkte angesehen haben)
- • Lookback-Windows: Vordefiniert (7, 14, 30 Tage)
- • Einschränkung: Weniger granulare Steuerung, kein Purchase-Retargeting im engeren Sinne
Der große Vorteil von Amazon-Retargeting gegenüber externen Plattformen: Amazon kennt das tatsächliche Kaufverhalten. Während Google oder Meta nur Seitenbesuche und Klicks als Signale nutzen können, weiß Amazon, ob ein Nutzer ein Produkt gekauft, in den Warenkorb gelegt oder nur angesehen hat – und kann entsprechend differenziert retargeten.
Retargeting-Strategien für maximale Wirkung
Effektives Retargeting ist mehr als nur „zeige allen Besuchern die gleiche Anzeige nochmal“. Die besten Ergebnisse erzielst du, wenn du Zielgruppen segmentierst, Creatives differenzierst und den Funnel gezielt abbildest.
- Lookback-Windows staffeln: Nutzer, die gestern dein Produkt angesehen haben, reagieren anders als solche, die es vor 30 Tagen getan haben. Erstelle separate Kampagnen für verschiedene Zeitfenster mit angepassten Geboten.
- Creatives variieren: Wer ein Produkt schon kennt, braucht kein reines Produktbild mehr. Zeige stattdessen Bewertungen, Preisvorteile oder komplementäre Produkte.
- Käufer ausschließen: Wer bereits gekauft hat, sollte aus View-Retargeting-Kampagnen ausgeschlossen werden – es sei denn, du betreibst bewusst Purchase-Retargeting für Cross- oder Upselling.
- Frequency Capping beachten: 5–10 Impressionen pro Woche reichen in den meisten Fällen aus. Mehr führt zu sinkenden Returns und steigender Ad Fatigue.
- Retargeting mit Prospecting kombinieren: Retargeting füllt nicht von allein den Funnel. Ohne Awareness-Kampagnen, die neue Nutzer auf dein Produkt aufmerksam machen, schrumpft die Retargeting-Zielgruppe über Zeit.
Häufige Fehler beim Retargeting
- Kein Frequency Capping: Ohne Begrenzung sehen einzelne Nutzer die gleiche Anzeige dutzendfach. Das verschwendet Budget und schadet der Markenwahrnehmung.
- Alle Besucher gleich behandeln: Ein Warenkorb-Abbrecher ist näher am Kauf als ein Nutzer, der nur eine Kategorieseite besucht hat. Die Gebote sollten das widerspiegeln.
- Zu lange Lookback-Windows: Nach 60–90 Tagen ist das Kaufinteresse in den meisten Kategorien längst erloschen. Geld, das auf 90-Tage-Retargeting fließt, ist oft besser in kürzere Fenster investiert.
- Retargeting isoliert betrachten: Die Kennzahl zum Bewerten ist nicht der Retargeting-ACoS allein, sondern der Einfluss auf den gesamten TACoS und den Halo Effect.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Welches Retargeting konvertiert besser: View oder Purchase?
View-Retargeting hat in der Regel die höheren Conversion-Raten, weil der Nutzer noch keinen Kauf getätigt hat und der erste Sale „niedrig hängende Frucht" ist. Purchase-Retargeting hat dafür oft höhere durchschnittliche Warenkörbe (Cross-Selling) und einen besseren Customer Lifetime Value. Beides hat seine Berechtigung – idealerweise laufen beide Strategien parallel.
Wie viel Budget sollte ich für Retargeting einplanen?
Eine gängige Faustregel: 20–30 % des gesamten Werbebudgets fließen in Retargeting, der Rest in Prospecting (Neukundengewinnung). Das genaue Verhältnis hängt von deiner Zielgruppengröße und deinem Funnel ab. Marken mit hohem Traffic auf den Produktseiten können mehr in Retargeting investieren.
Brauche ich Amazon DSP für Retargeting, oder reicht Sponsored Display?
Sponsored Display reicht für den Einstieg: Du kannst Nutzer ansprechen, die dein Produkt oder ähnliche Produkte angesehen haben. Für granulares Retargeting (Warenkorb-Abbrecher, Purchase-Retargeting, Custom Audiences, Lookback-Window-Steuerung) brauchst du Amazon DSP. Der Aufwand und die Mindestbudgets sind dort allerdings deutlich höher.
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