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Multi-Touch Attribution

Zuletzt aktualisiert: 9. April 2026

Definition: Was ist Multi-Touch Attribution?

Multi-Touch Attribution (MTA) ist ein Attributionsansatz, der den Wertbeitrag mehrerer Touchpoints in der Customer Journey berücksichtigt, statt einer einzelnen Interaktion den gesamten Credit zuzuweisen. Wo Single-Touch-Modelle wie Last Click oder First Click nur einen Kontaktpunkt bewerten, verteilt MTA die Conversion anteilig auf alle relevanten Berührungspunkte.

Das Ziel von Multi-Touch Attribution ist eine realistischere Bewertung der Werbewirkung: Nicht nur der letzte Klick vor dem Kauf soll als wirksam gelten, sondern auch die Display-Anzeige, die das Interesse geweckt hat, das Video, das die Marke erklärt hat, und das Retargeting, das den Nutzer zurückgeholt hat. Jeder Touchpoint bekommt einen fairen Anteil – basierend auf seinem tatsächlichen Einfluss.

Warum Multi-Touch Attribution notwendig ist

Moderne Customer Journeys sind komplex. Ein typischer Amazon-Käufer interagiert vor dem Kauf mit mehreren Touchpoints: Er sieht eine DSP-Display-Anzeige, klickt auf eine Sponsored-Brands-Ad, vergleicht Produkte, kommt über eine Google-Suche zurück und kauft schließlich über eine Sponsored-Products-Anzeige. Im Last-Click-Modell erhält nur der letzte Schritt den Credit – alle vorherigen Interaktionen erscheinen wertlos.

Das führt zu systematischen Fehlentscheidungen: Awareness-Kampagnen (DSP, Video, Sponsored Brands) werden gestrichen, weil sie im Last-Click-Reporting keinen direkten ROAS liefern. Kurz darauf sinken die Brand-Suchen und die Conversion-Raten der Lower-Funnel-Kampagnen – weil der Nachschub an neuen Interessenten fehlt. Multi-Touch Attribution löst dieses Problem, indem sie den Beitrag jedes Touchpoints sichtbar macht.

MTA-Modelle im Überblick

Multi-Touch Attribution umfasst verschiedene Modelle, die sich in der Verteilung des Credits unterscheiden. Die gängigsten:

Linear

Jeder Touchpoint erhält den gleichen Anteil. Bei 4 Touchpoints bekommt jeder 25 %. Einfach, aber ungenau – ein kurzer Banner-Kontakt wiegt genauso viel wie ein hochintentionaler Klick.

Time Decay

Touchpoints, die zeitlich näher am Kauf liegen, erhalten mehr Credit. Sinnvoll für Produkte mit langen Entscheidungszyklen, bei denen die letzten Interaktionen den Kauf oft final auslösen.

Position-Based (U-Shape)

Der erste und letzte Touchpoint erhalten jeweils 40 %, die mittleren teilen sich 20 %. Guter Kompromiss: Der Awareness-Kanal und der Conversion-Kanal werden gleichermaßen gewürdigt.

Data-Driven (Algorithmisch)

Machine-Learning-Algorithmen analysieren tausende Conversion-Pfade und berechnen den tatsächlichen Einfluss jedes Touchpoints. Das genaueste Modell, erfordert aber große Datenmengen und spezialisierte Tools.

Multi-Touch Attribution im Amazon-Ökosystem

Amazon verwendet in seinen Standard-Reports Last-Click-Attribution. Wer Multi-Touch-Analysen durchführen möchte, muss auf erweiterte Tools zurückgreifen.

Verfügbare Werkzeuge

  • Amazon Marketing Cloud (AMC): Das mächtigste Tool für MTA im Amazon-Umfeld. Werbetreibende können eigene SQL-Queries auf Event-Level-Daten ausführen und individuelle Attributionsmodelle erstellen – z. B. deduplizierte Multi-Touch-Pfade über Sponsored Ads, DSP und organische Touchpoints hinweg.
  • Amazon Attribution: Misst den Einfluss externer Kanäle (Google, Meta, E-Mail) auf Amazon-Verkäufe. Aktuell Last-Touch, aber in Kombination mit AMC lassen sich Cross-Channel-Multi-Touch-Analysen aufsetzen.
  • DSP Path-to-Conversion Reports: Zeigen die typischen Touchpoint-Abfolgen vor einer Conversion. Kein vollständiges MTA-Modell, aber ein guter erster Blick auf Multi-Touch-Pfade.

In der Praxis starten die meisten Marken mit einfachen Vergleichen: Last-Click-ROAS versus Total-ROAS (inkl. View-Through Conversions). Der Unterschied zeigt bereits, wie viel Wert in den nicht-letzten Touchpoints steckt. AMC bietet dann den nächsten Schritt für datengetriebene Multi-Touch-Attribution.

Herausforderungen in der Praxis

  • Daten-Silos: Amazon, Google und Meta haben jeweils eigene Attributionssysteme, die nicht miteinander sprechen. Kanalübergreifende MTA erfordert einen gemeinsamen Datenlayer oder Tools wie AMC.
  • Datenmenge: Data-Driven MTA braucht tausende Conversions, um statistisch belastbare Ergebnisse zu liefern. Für kleinere Seller mit wenigen hundert Verkäufen pro Monat sind regelbasierte Modelle (Linear, Position-Based) realistischer.
  • Offline-Touchpoints: Mündliche Empfehlungen, Influencer-Content oder Print-Werbung sind schwer trackbar und fehlen in der MTA-Analyse. Die Ergebnisse bilden immer nur den messbaren Teil der Journey ab.
  • Komplexität: MTA-Ergebnisse sind schwerer zu kommunizieren als ein einfacher Last-Click-ROAS. Die Einführung erfordert Buy-in von allen Stakeholdern, die mit den Reports arbeiten.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Ist Multi-Touch Attribution besser als Last Click?

MTA ist realistischer, aber auch komplexer. Last Click ist gut genug für einfache, direct-response-getriebene Kampagnenstrukturen. Sobald du mehrere Kanäle (DSP + Sponsored Ads + extern) und einen Full-Funnel-Ansatz fährst, führt Last Click zu systematischen Fehlbewertungen – und dann lohnt sich der Aufwand für MTA.

Welches MTA-Modell sollte ich wählen?

Wenn du wenig Daten hast: Position-Based (U-Shape) als praxisnahen Kompromiss. Wenn du AMC nutzt und ausreichend Conversions hast: datengetriebene Attribution. Linear ist ein guter Startpunkt, aber in der Praxis selten das optimale Modell, weil nicht jeder Touchpoint gleich wirksam ist.

Kann ich MTA ohne Amazon Marketing Cloud umsetzen?

Auf einfachem Niveau ja: Vergleiche Last-Click- mit Total-ROAS-Reports, analysiere DSP Path-to-Conversion-Daten und beobachte, wie sich organische Metriken (Brand-Suchen, TACoS) bei Änderungen im Upper Funnel entwickeln. Für echte Multi-Touch-Modellierung auf Event-Level brauchst du aber AMC oder externe Attributionstools.

Weiterführende Begriffe

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